Manchmal entsteht der Eindruck als würde Timo sich selbst einholen. Beim Handballsprinter stimmt das gesamte Paket aus Leistung und Schauspiel. Wie ein Blitz stürmt der „Wickerer Bub“ über die Platte. Es reicht ein Atemzug um einen Gegenstoß vom HSG Linksaußen zu bestaunen. Oder seine Flugshows. Schnappatmung bei den HSG Fans, wenn „Air Treber“ abhebt. Staunend, mit weit aufgerissenen Augen verfolgen die Zuschauer seine stürmischen und gnadenlosen Streifzüge Richtung gegnerisches Tor, frei nach dem Motto „wir waren dabei und ihn gesehen. In Felsberg gab es Applaus von den heimischen Fans. Sein Gang ist leicht, locker, seine Bewegungen sind fließend, eben kein abruptes Ende.
Wir treffen Timo Treber in Breckenheim. Aktuell verletzt. „Das ist blöd“, so Treber, der aber pünktlich zum Training erscheint. Timo Treber, 26 Jahre aus Wicker und seit acht Jahren im Dress des Ländchesclubs. Aktuell studiert der Linksaußen Maschinenbau das will er im nächsten Jahr mit dem Master abschließen. „Das wird schon“, ist Treber guter Dinge. Er vertraut sich.
Mit dem Handball fing der Student bei den Minis an. Mama Andrea einst selbst Handballerin, legte ihm den Ball wohl mit in die Wiege. In Hochheim/Wicker durchlief Timo, bis auf zwei Jahre SG Wallau/Massenheim, alle Jugendteams. Mit der B-Jugend wurde Timo Treber Hessenmeister. „Da habe ich schon Spiele der SG in Frankfurt verfolgt. Mein Liebling war Pascal Hens. Ich hatte sogar dessen Frisur“, schmunzelt Treber. Nach der A-Jugend der Wechsel zur HSG. „Gilles und Mathias Beer haben mich im Spiel gesehen. Anschließend haben wir uns zu einem Gespräch getroffen.“ Mit dabei war Papa Heiko. „Geredet hat nur mein Papa. Ich habe schön brav daneben gegessen. Anschließend wollte Gilles nochmal mit mir alleine reden“, lacht Timo heute noch über die Kennenlernphase. Apropos Eltern. „Meine Eltern unterstützen mich immer und haben das immer getan“, weiß Treber um die Rückendeckung durch die Familie. Vor allem auch nach dem Training, wenn spätabends noch ein warmes Essen auf dem Tisch steht. Drei Geschwister hat Timo noch, lebt in einer Wohnung im Haus seiner Eltern.
Warum gerade jetzt der Wechsel nach Münster?
Timo Treber: „Es gab immer mal Angebote. Das von Gensungen/Felsberg war damals schon konkret. Diesmal hat es einfach gepasst. In einem Jahr, wenn das Studium beendet ist und ich ins Berufsleben einsteige, weiß ich nicht ob ich den Aufwand noch bewältigen kann. Ich will es unbedingt nochmal ausprobieren, ob ich die dritte Liga drauf habe. Das ist der einzige Grund. Dabei ändert sich für mich wenig. Ich wohne zu Hause und fahre gerade mal zehn Minuten länger zum Training.“
Was bedeuten dir die HSG Fans?
Timo Treber: „Es macht Spaß vor ihnen zu spielen. Vor allem wenn die Fans richtig Gas geben. Das pusht und gibt zusätzlich Selbstvertrauen. Die Zeit mit den Ultras war genial. Die Meisterschaft haben wir mit unserem Publikum erreicht und wenns eng wird sind die Fans immer da. Ich freue mich auch nach dem Spiel immer auf die Gespräche, obwohl ich der bessere Zuhörer bin. Danke an unsere Fans.“
Was macht Timo Treber ohne Handball und Studium
Timo Treber: „Eigentlich hab ich wenig Zeit. Ich gehe neben dem Studium, um Geld zu verdienen, noch arbeiten, als Werkstudent bei Abbott einem großen Gesundheitsunternehmen. Daneben beschäftige ich mich intensiv mit meinem 3D Drucker. Technik fasziniert mich. Ich setze eigene Projekte um. So hab ich Modellflugzeuge und ein aperol spritz Mischgerät entwickelt. Im Sommer fahre ich unheimlich gerne Motorrad. Da wir an Fastnacht kein Training hatten, habe ich die letzten Faschingstage hautnah in Mainz bei Henry Gottron verbracht, das hat richtig Laune gemacht.“
Wie fällt deine Bilanz nach acht Jahren aus?
Timo Treber: „Ich brauchte einige Zeit bis ich mich zu Recht gefunden habe. Ich war jung und unsicher, habe viel zugehört und beobachtet. Ich fühle mich mittlerweile sehr wohl. Vor allem Gilles hat mir als junger Spieler viel Vertrauen geschenkt, mir immer wieder Tipps gegeben. Das ist das Wichtigste. Ich bin von Jahr zu Jahr besser geworden. Habe meine Stärken Tempogegenstoß und Überläufe immer mehr eingebracht. Die einfachsten Tore sind das Wichtigste. Ich spiele in einem tollen Team, was zusammenhält und jeder ist für jeden da. Es war eine Zeit mit vielen Erfolgen, Herausforderungen und unvergesslichen Momenten.“
Timo Treber. Mit seiner beeindruckenden Schnelligkeit und seiner flexiblen Abwehrarbeit begeistert er die HSG-Fans mit spektakulären Toren, die ihn zu einem Favoriten unter den HSG Anhängern beförderten. Timo wird auch künftig die Spiele der HSG besuchen. „Das klappt bestimmt, zumal Münster samstags und die HSG meistens sonntags ihre Heimspiele austrägt“, steht für Treber fest: „Der Kontakt zur HSG bleibt auf jeden Fall bestehen!“
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